Der Erste Bund mit Adam: der verbotene Baum, der Garten Eden und die Ursprünge der Menschheit
Das Ziel des Weisen — Tor Nummer Eins
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Und wenn die Geschichte von Adam und Eva, wie sie uns über Jahrhunderte überliefert wurde, eine weit tiefere geistige Wirklichkeit verbirgt?
Die Erzählung von Adam nimmt in den abrahamitischen Traditionen eine grundlegende Stellung ein. Sie berichtet von der Erschaffung des ersten Menschen, vom Garten Eden, vom verbotenen Baum, von der Versuchung und von der Vertreibung aus dem Paradies. Doch hinter diesen Ereignissen steht eine entscheidende Frage: Wie lautete der wahre Bund zwischen Gott und Adam?
Im ersten Tor des Ziels des Weisen legt Abdullah Hashem Aba Al-Sadiq (Von ihm ist der Friede) eine Auslegung dieser Erzählung dar, die mehrere traditionelle Auffassungen in Frage stellt. Der verbotene Baum, die Natur des Gartens Eden, der Ungehorsam Adams und die Weitergabe der göttlichen Rechtleitung gewinnen darin eine neue Bedeutung.
1. Der Bund: die Grundlage der Beziehung zwischen Gott und der Menschheit
Nach den Lehren des Buches beginnt die Geschichte der Menschheit mit einem Bund.
Gott erschafft Adam nicht, um ihn sich selbst zu überlassen. Er erwählt ihn, vertraut ihm eine Verantwortung an und setzt ihn als Seinen Stellvertreter auf Erden ein.
Diese Ernennung bedeutet Autorität, aber auch eine Verpflichtung: den Willen des Schöpfers zu achten.
Der erste Bund beruht auf zwei grundlegenden Elementen: dem Gebot, sich zu vermehren, und dem Verbot, das einen bestimmten Baum betrifft.
Diese Einfachheit ist bedeutsam. Die Bedingungen des menschlichen Daseins erforderten damals noch nicht die komplexen Rechtssysteme, die in den folgenden Bünden aufkamen.
Das Buch stellt damit einen zentralen Grundsatz auf: Die göttliche Gesetzgebung begleitet die Entwicklung der menschlichen Umstände.
2. War der verbotene Baum wirklich ein Baum?
Dies ist eine der überraschendsten Offenbarungen dieses ersten Tors.
In den überlieferten Erzählungen werden Adam und Eva ungehorsam, indem sie die Frucht eines verbotenen Baumes essen. Doch Das Ziel des Weisen lädt dazu ein, diesen Baum als Symbol zu verstehen.
Das Buch stellt insbesondere zwei Ausdrücke einander gegenüber:
- Der Baum der Unsterblichkeit, der im Koran erwähnt wird.
- Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, der in der Genesis vorkommt.
Es stützt sich ferner auf Überlieferungen, die den Imamen aus der Familie Muhammads zugeschrieben werden, um zu erklären, dass der verbotene Baum mit der Erkenntnis Muhammads und seiner Familie zusammenhänge.
In dieser Auslegung bezeichnet der Baum also keine gewöhnliche Pflanze, sondern eine persönliche und geistige Wirklichkeit.
Das Werk identifiziert diesen Baum genauer mit Fatimah Al-Zahraa (Von ihr ist der Friede) und bringt die Übertretung Adams mit dem Neid und dem Verlangen in Verbindung, einen Rang zu erlangen, der ihm nicht zukam.
Diese Lesart verändert das Verständnis des Urungehorsams tiefgreifend: Das Problem bestünde nicht einfach darin, eine Frucht gegessen zu haben, sondern eine von Gott gesetzte Grenze überschritten zu haben.
3. Wo befand sich der Garten Eden tatsächlich?
Der Garten Eden wird oft als himmlischer Ort vorgestellt, getrennt von unserer Welt.
Dennoch vertritt das Buch eine andere Auslegung.
Gestützt auf eine Überlieferung, die dem Imam Al-Sadiq zugeschrieben wird, stellt es den Garten als irdischen Ort dar, an dem die Sonne und der Mond aufgingen.
Das Werk verortet diesen Garten genauer in der Region, die dem heutigen Irak entspricht.
Diese Verortung fügt sich in eine Lesart der frühen biblischen und koranischen Erzählungen ein, die die Gründungsereignisse der Menschheit mit einer irdischen Geographie verbindet.
Es handelt sich um eine theologische Aussage, die dem Werk eigen ist, und nicht um eine durch die Archäologie nachgewiesene Lokalisierung.
4. Die Rolle des Neids beim Bruch des Bundes
Warum war Adam ungehorsam?
Nach dem Ziel des Weisen ist der Neid eines der entscheidenden Elemente dieser Geschichte.
Adam habe von der Existenz von Wesen erfahren, die einen höheren geistigen Rang besaßen als er. Statt die Weisheit Gottes in dieser Rangordnung vollständig anzunehmen, habe er begehrt, was nicht für ihn bestimmt war.
Die Lehre reicht über die bloße Erzählung von Adam hinaus.
Sie lädt jeden Menschen ein, sich nach seinem eigenen Verhältnis zum göttlichen Willen zu fragen.
Nehmen wir die Grenzen an, die uns gesetzt sind? Sind wir fähig, die Vorzüge anderer anzuerkennen, ohne sie uns aneignen zu wollen?
Die Geschichte Adams wird so zu einer Betrachtung über Demut, Gehorsam und die Gefahr des Neids.
5. Die Adam gelehrten Namen: eine geistige Erkenntnis
Der Koran berichtet, dass Gott Adam die Namen lehrte.
Was bedeuten diese Namen?
Das Werk bietet eine Auslegung an, die über die bloße Kenntnis von Tieren, Pflanzen und Gegenständen hinausgeht.
Nach den Lehren, die es dem Imam Ahmed Al-Hassan (Von ihm ist der Friede) zuschreibt, betreffe diese Erkenntnis auch die Verkörperungen und die geistigen Identitäten der Engel.
Adam habe so eine Erkenntnis empfangen, die den anderen zu jener Zeit anwesenden Geschöpfen unzugänglich war.
Diese Auslegung stellt eine Verbindung zu den folgenden Toren her, die der Reinkarnation, der Seelenwanderung und den Beziehungen zwischen den Wesen in der geistigen Welt gewidmet sind.
6. Kain, Abel und die Folgen des Ungehorsams
Nach der Vertreibung aus dem Garten tritt die Menschheitsgeschichte in eine neue Phase ein.
Die Erzählung von Kain und Abel führt Mord, Rivalität und die Ausbreitung des Unrechts ein.
Das Ziel des Weisen bietet insbesondere eine eigene Auslegung der Abstammung Kains an, die es anhand von im Kapitel angeführten religiösen Überlieferungen auf Iblis zurückführt.
Diese Behauptung gehört zur theologischen Erzählung, die das Werk darlegt.
Die allgemeine Lehre betrifft jedoch vor allem die Folgen der Verderbtheit und die Entwicklung der göttlichen Gesetzgebung.
Das Buch erklärt, dass die Regeln des ersten Bundes den Umständen der Zeit Adams angepasst waren. Mit dem Auftreten neuer Verhaltensweisen und neuer Formen des Unrechts würden weitere Vorschriften notwendig.
Die Geschichte bereitet so das Kommen Noahs und die Errichtung des zweiten Bundes vor.
7. Set und die Weitergabe des Testaments
Eines der wichtigsten Themen dieses Tors ist die Kontinuität der göttlichen Rechtleitung.
Nach Adam verschwindet die Erkenntnis nicht.
Das Buch berichtet, dass Set von seinem Vater ein geistiges Erbe empfing und diese Erkenntnis in einem feindseligen Umfeld bewahren musste.
Diese Weitergabe nimmt die Form eines Testaments an, das über eine Abfolge von Führern bewahrt und überliefert wird.
Das erste Tor führt damit einen Grundsatz ein, der das gesamte Ziel des Weisen durchzieht: Gott bestimmt einen Führer, und die Weitergabe der göttlichen Autorität hängt nicht allein von der Wahl der Menschen ab.
Dieser Gedanke wird im Verlauf der folgenden Bünde weiterentwickelt.
8. Die Reue und die Wiederherstellung des Bundes
Die Geschichte Adams endet nicht mit seinem Ungehorsam.
Nachdem sie den Garten Eden verlassen haben, bereuen Adam und Eva.
Nach dem Buch vergibt Gott ihnen und stellt den ersten Bund wieder her.
Dieses Ereignis offenbart eine wesentliche Dimension der Beziehung zwischen dem Schöpfer und Seinen Geschöpfen: die Möglichkeit der Umkehr.
Selbst wenn ein Bund gebrochen wurde, kann die Reue den Weg zur Versöhnung öffnen.
Die göttliche Gerechtigkeit wird somit nicht nur als Strafe dargestellt, sondern auch als Mittel der Korrektur und der Wiederherstellung.
Schlussfolgerung — Eine Geschichte, die uns noch heute betrifft
Das erste Tor des Ziels des Weisen beschränkt sich nicht darauf, die Ursprünge der Menschheit zu erzählen.
Es legt die Grundlagen einer geistigen Sicht, in der die Erkenntnis Gottes, die Anerkennung Seines Stellvertreters und die Treue zum Bund einen zentralen Platz einnehmen. Der verbotene Baum wird zum Symbol für die Grenze, die Gott gesetzt hat. Der Neid offenbart die Gefahren des Egos. Die Reue zeigt, dass die Umkehr möglich bleibt. Und die Weitergabe des Testaments kündigt die Kontinuität der göttlichen Rechtleitung über die Generationen hinweg an.
Eine Frage bleibt somit bestehen:
Wenn Gott Adam von Anfang an als Seinen Stellvertreter bestimmt hat, warum sollte Er dann aufgehört haben, der Menschheit Führer zu bestimmen?
Diese Frage führt uns ganz natürlich zum zweiten Tor: Der Zweite Bund mit Noah.