Die 5 unerwartetsten Eigenschaften des Mahdi
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Alle warten auf den Retter. Doch was, wenn er bei seinem Kommen ganz anders ist, als man es erwartet hat? Hier sind fünf unerwartete Eigenschaften des Mahdi, die darüber entscheiden könnten, ob die Menschen ihn erkennen – oder ihn ablehnen.
Von Hamze Kassem

- Er wird Ihnen sagen, was Sie nicht hören wollen.
Die Menschen warten auf einen Retter, der kommt, um sie in die Arme zu schließen. Einen Tröster, der die Wunden der Welt mit sanften Worten heilt. Einen Mahdi, der mit strahlendem Antlitz und melodiöser Stimme die Herzen gewinnt. Sie stellen sich vor, wie er auf einem weißen Pferd kommt, wie die Menge ihm zujubelt, wie die Mächtigen vor ihm niederknien. Doch wer die Überlieferungen der Ahlulbayt wirklich liest und in die Tiefe der Hadithe vordringt, stößt auf ein Bild, das mit allen klischeehaften Erwartungen bricht. Der Mahdi wird nicht kommen, um zu trösten. Er wird kommen, um die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit ist unerträglich.
Es ist ein Muster, das sich wie ein roter Faden des Leidens durch die gesamte Heilsgeschichte zieht. Die Propheten vor ihm waren keine beliebten Redner, die mit süßen Worten die Massen um sich scharten. Sie waren Außenseiter, Verfolgte, Gejagte. Sie waren es, die aussprachen, was niemand hören wollte. Sie waren die Einsamen, die Verstoßenen, die Gehassten – und genau das wird der Mahdi sein.
Der Prophet Amos trat vor das Volk Israel und verkündete eine Botschaft, die das Königreich in seinen Grundfesten erschütterte. Er sagte nicht, was das Volk hören wollte. Er sagte nicht: „Alles wird gut. Gott liebt euch. Ihr seid auserwählt.“ Nein. Er sagte: „Jerobeam wird durch das Schwert umkommen, und das Volk Israel wird aus dem Land vertrieben und in die Verbannung geführt werden.“ Die Worte brannten wie Feuer in den Ohren der Mächtigen. Der Priester Amazja lief zum König und rief:
„Amos zettelt eine Verschwörung gegen dich an, mitten in Israel hält er unerträgliche Reden. Das Land kann das nicht mehr ertragen!“ (Amos 7,10)
Unerträgliche Reden. Das war das Verbrechen des Amos. Er sagte die Wahrheit. Und die Wahrheit war unerträglich.
Jeremia, der weinende Prophet, stand allein gegen die lügnerischen Propheten seiner Zeit. Sie kamen in Scharen, diese falschen Propheten, und sagten, was das Volk hören wollte: „Friede, Friede!“ – und doch war kein Friede. Sie erzählten einander ihre Träume, die Träume ihrer trügerischen Herzen, und das Volk glaubte ihnen. Doch Jeremia warf ein:
„Wie lange noch? Sollen diese Propheten, die Lügen weissagen, die Propheten ihres eigenen trügerischen Herzens, mein Volk mein Gesetz vergessen lassen durch ihre Träume, die sie einander erzählen?“ (Jeremia 23,25-26)
Er war allein. Er war der Einzige, der die Wahrheit sprach. Und dafür hassten sie ihn. Sie warfen ihn in den Kerker. Sie ließen ihn in eine Zisterne hinab, wo er im Schlamm versank. Sie verfolgten ihn bis ans Ende seines Lebens. Denn die Wahrheit kann unerträglich sein – besonders für jene, die von der Lüge leben.
Und dann kam Jesus. Der Sohn der Maria. Der Messias. Er hätte mit einem Schwert aus Feuer kommen können, mit himmlischen Heerscharen, mit einem Reich, das die Römer zermalmt hätte. Doch was tat er? Er setzte sich nieder und sprach Worte, die die religiösen Führer seiner Zeit bis auf die Knochen entblößten. Er sah ihnen in die Augen – diesen frommen Männern mit ihren langen Gewändern und ihren breiten Gebetsriemen – und sagte:
„Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie übertünchte Gräber, die von außen schön aussehen, innen aber voll von Totengebein und aller Unreinheit sind.“ (Matthäus 23,27)
Stellen Sie sich das vor. Er nannte sie Heuchler. Er sagte ihnen ins Gesicht, dass sie wie Gräber seien – außen schön, innen aber voller Verwesung. Er riss ihnen die Masken herunter. Er zeigte dem Volk, wer diese Männer wirklich waren. Und die Mächtigen konnten diese Worte nicht ertragen. Sie konnten nicht ertragen, dass jemand kam, der ihre Fassade durchschaute. Also töteten sie ihn. Sie nagelten ihn ans Kreuz. Denn die Wahrheit ist unerträglich – besonders für jene, die auf der Lüge sitzen.
Doch bevor Jesus ans Kreuz ging, sprach er zu seinen Jüngern ein Wort, das wie ein Schlüssel zu allem ist, was der Mahdi tun wird. Er sagte zu ihnen:
„Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.“ (Johannes 16,12)
Nicht ertragen. Die Wahrheit war zu schwer für sie. Sie waren nicht bereit. Ihre Herzen waren noch nicht weit genug. Ihre Seelen waren noch nicht stark genug. Also schwieg Jesus. Er sagte nicht alles. Er bewahrte die tiefsten Wahrheiten für eine Zeit auf, in der die Menschen sie ertragen konnten. Und hier kommt der Mahdi ins Spiel.
Die Überlieferungen der Ahlulbayt lehren uns, dass der Mahdi derjenige sein wird, der endlich das ausspricht, was die Menschen zuvor nicht ertragen konnten. Er wird das Schweigen brechen. Er wird die verborgenen Wahrheiten ans Licht bringen, die die Propheten aus Barmherzigkeit zurückgehalten haben – weil die Menschen sie nicht ertragen hätten. Mohammed ibn Al-Hasan Al-Askari sagte einmal:
„Wenn Allah uns zu sprechen erlaubt, würde sich die Wahrheit ausbreiten, und die Falschheit würde verschwinden und von euch weggezogen werden.“ (Bihar al-Anwar, Band 25, S. 183)
Der Mahdi wird nicht schweigen. Er wird nicht warten, bis die Menschen bereit sind. Er wird die Wahrheit sagen – und die Menschen werden sie entweder ertragen oder an ihr zerbrechen.
Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt gehen noch weiter. Sie sprechen von einer Wahrheit, die so schwer ist, dass nicht einmal Engel oder Propheten sie allein tragen können – es sei denn, sie geben sie weiter. In einem in den Quellen überlieferten Hadith wird berichtet, dass jemand an Imam Al-Hasan Al-Askari schrieb:
„Von deinen Vätern wird überliefert: ‚Unser Hadith ist schwer und wird als schwer empfunden; kein ihm nahe stehender Engel, kein gesandter Prophet und kein geprüfter Gläubiger kann ihn tragen.‘“ (Wasail al-Shia, Hadith Nr. 33423)
Die Antwort des Imams war ebenso überraschend wie tiefgründig. Er sagte:
„Gemeint ist nur, dass der Engel ihn nicht tragen kann, bis er ihn zu einem Engel wie ihm hinausträgt; und kein Prophet erträgt ihn, bis er ihn zu einem Propheten wie ihm hinausträgt; und kein Gläubiger erträgt ihn, bis er ihn zu einem Gläubigen wie ihm hinausträgt. Gemeint ist nur, dass er ihn in seinem Herzen nicht erträgt – wegen der Süße dessen, was in seiner Brust ist –, bis er ihn zu einem anderen hinausträgt.“ (Wasail al-Shia, Hadith Nr. 33423)
Die Formulierung ist atemberaubend. Nicht einmal ein Engel kann diese Wahrheit für sich behalten – er muss sie an einen anderen Engel weitergeben. Nicht einmal ein Prophet kann sie in seinem Herzen verschließen – er muss sie an einen anderen Propheten weitergeben. Und selbst ein Gläubiger, so fromm er auch sein mag, kann sie nur ertragen, wenn er sie weitergibt – an einen anderen Gläubigen wie ihn. Das ist die unerträgliche Wahrheit des Mahdi: Sie ist wie ein Feuer, das brennt, bis es weitergegeben wird. Sie ist wie eine Last, die erdrückt, bis sie geteilt wird. Wer sie in sich verschließt, wird an ihr zerbrechen. Wer sie weitergibt, wird sie ertragen – aber nur, wenn er zuvor auf die Probe gestellt wurde.
Der Koran bringt dieses Prinzip mit voller Klarheit zum Ausdruck. Gott sagt: „Und Gott bestätigt die Wahrheit durch seine Worte, auch wenn es den Übeltätern zuwider ist.“ (Sure Yunus 10:82). Auch wenn es den Übeltätern zuwider ist. Auch wenn sie es hassen. Auch wenn sie den Propheten dafür töten. Gott bestätigt die Wahrheit – und die Wahrheit wird immer von denen gehasst, die von der Lüge leben.
Der Mahdi ist der Erbe dieser Propheten. Er ist derjenige, der das unerträgliche Wort aussprechen wird. Prophet Muhammad gebot seinen Gefährten ein Prinzip, das der Mahdi in Vollkommenheit leben wird:
„Sprich die Wahrheit, auch wenn sie bitter ist.“ (Hadith, überliefert in Saheeh Ibn Hibban, Hadith Nr. 361; ebenso bei Abu Dawud, Hadith 3252)
Bitter. Das Wort bedeutet buchstäblich: Es schmeckt wie Galle. Es brennt auf der Zunge. Es hinterlässt einen Geschmack, den man nicht abschütteln kann. Das ist die Wahrheit, die der Mahdi sprechen wird. Imam Mohammed Al-Baqir sagte über den Qaim:
„Unser Qaim wird die intellektuellen Kräfte bündeln und ihr Wissen und ihre Weisheit zum Gipfel der Vollkommenheit führen.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 336)
Doch bevor er zur Vollkommenheit führt, muss er zuerst die Unvollkommenheit offenbaren. Er muss den Menschen zeigen, wie tief sie gefallen sind. Er muss ihnen ihre eigenen dunklen Abgründe vorhalten – und das ist das Unerträglichste von allem. Denn nichts ist schwerer zu ertragen als die Wahrheit über sich selbst.
Doch die Überlieferungen gehen noch weiter. Sie sprechen davon, dass der Mahdi mit einer neuen Sache kommt, einer neuen Lehre, die die Menschen nicht ertragen können. In Bihar al-Anwar wird überliefert, dass
„der Mahdi mit einer neuen Sache kommen wird, einem neuen Buch, einer neuen Sunna und einem neuen Urteil. Es wird für die Araber schwer sein.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 192)
Ein neues Buch. Eine neue Sunna. Das ist das Unerträglichste von allem: Der Mahdi kommt nicht, um die bestehende Ordnung zu bestätigen – er kommt, um sie zu zerstören und durch etwas völlig Neues zu ersetzen. Die Menschen werden sagen: „Das ist nicht der Islam, den wir kennen!“ Und sie werden recht haben. Denn der Islam, den sie kennen, ist ein verfälschter Islam, ein Islam der Gelehrten, der Mächtigen, der Heuchler. Der Mahdi bringt den wahren Islam – und er wird für all jene unerträglich sein, die sich ihr Leben lang an die Fälschung geklammert haben.
In einer anderen Überlieferung aus Bihar al-Anwar heißt es, dass Mohammed ibn Al-Hasan Al-Askari selbst sagt:
„Wahrlich, die Gerechtigkeit ist bei uns und in uns, und niemand sonst sagt es außer einem Lügner und einem Betrüger.“ (Bihar al-Anwar, Band 53, S. 191)
Der Mahdi wird die Wahrheit nicht nur sagen – er wird sie leben. Er wird die lebendige Verkörperung der Wahrheit sein. Und genau das wird die Menschen um den Verstand bringen. Denn wenn die Wahrheit leibhaftig vor ihnen steht, können sie nicht mehr davonlaufen. Sie können nicht mehr sagen: „Die Wahrheit ist relativ.“ Sie können nicht mehr sagen: „Jeder hat seine eigene Wahrheit.“ Nein. Sie werden der Wahrheit gegenüberstehen – und sie werden sich entscheiden müssen.
Die Menschen warten auf einen Retter, der kommt, um sie zu retten. Sie werden einen bekommen, der kommt, um sie zu zerstören – nicht körperlich, sondern geistig. Er wird ihre Illusionen zerschmettern, ihre Lügen entlarven, ihre Masken herunterreißen. Und dann, wenn sie nackt und bloß vor der Wahrheit stehen, dann – und nur dann – wird er sie wieder aufbauen. Doch zuerst kommt das Schwert des Wortes. Zuerst kommt die unerträgliche Wahrheit.
Der Mahdi wird der einsamste Mensch auf Erden sein. Die Mächtigen werden ihn hassen, weil er ihre Macht entlarvt. Die Gelehrten werden ihn verfluchen, weil er ihre Heuchelei entlarvt. Die Menschen werden sich von ihm abwenden, weil sie die Wahrheit nicht ertragen. Er wird sagen, was niemand hören will – und dafür werden sie ihn verstoßen, wie sie Amos verworfen, wie sie Jeremia verfolgt, wie sie Jesus gekreuzigt haben. Die Propheten und Gesandten vor ihm gingen denselben Weg. Er wird ihn vollenden.
2. Er kommt nicht, um andere Glaubensrichtungen auszulöschen
Die Menschen erwarten von einem Retter, dass er ihre eigene Religion bestätigt und über alle anderen erhebt. Muslime erwarten, dass er den Islam triumphieren lässt. Christen erwarten, dass er Jesus als den wahren Messias bestätigt. Juden erwarten, dass er den Tempel wieder aufbaut und die Tora in ihrer ganzen Herrlichkeit wiederherstellt. Zoroastrier erwarten, dass der Saoshyant die Welt von der Herrschaft des Bösen befreit. Alle erwarten, dass der Mahdi kommt, um ihre Wahrheit zu bestätigen und die anderen zu widerlegen. Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt zeichnen ein Bild, das all diese Erwartungen in einer einzigen, gewaltigen Geste zerschmettert. Der Mahdi kommt nicht, um eine Religion über die andere zu erheben. Er kommt, um die verleugneten Wahrheiten aller Religionen ans Licht zu bringen – und das wird das Unerträglichste von allem sein.
Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte Heilsgeschichte zieht. Jedes Mal, wenn Gott eine neue Offenbarung sandte, verfälschten die Menschen sie. Sie fügten hinzu, was nicht dazugehörte. Sie strichen, was ihnen nicht gefiel. Sie machten aus der reinen Botschaft Gottes ein Werkzeug der Macht, der Kontrolle, der Selbstgerechtigkeit. Die Tora wurde verändert. Das Evangelium wurde verändert. Die Lehren Zarathustras wurden verändert. Selbst der Koran – so sehr die Muslime darauf bestehen, dass er unverfälscht sei – wurde verfälscht und in seiner Auslegung so entstellt, dass die Menschen nicht mehr erkennen, was Gott wirklich gesagt hat.
Die Bibel nennt dieses Prinzip ganz deutlich. Der Prophet Jeremia klagte:
„Wie könnt ihr sagen: ‚Wir sind weise, und das Gesetz des Herrn ist bei uns‘? Seht, die lügnerische Feder der Schreiber hat es zur Lüge gemacht.“ (Jeremia 8,8)
Die Schriftgelehrten – die Gelehrten, die Hüter des Gesetzes – hatten das Wort Gottes verfälscht. Sie hatten es mit ihren eigenen Auslegungen überdeckt, bis die ursprüngliche Botschaft kaum noch zu erkennen war. Der Koran erhebt denselben Vorwurf gegen jene, die die früheren Offenbarungen verändert haben. Gott sagt:
„Wehe denen, die das Buch mit ihren eigenen Händen schreiben und dann sagen: ‚Das ist von Gott‘, um es für einen geringen Preis zu verkaufen.“ (Sure al-Baqara 2:79)
Mit ihren eigenen Händen. Nicht Gott hat diese Änderungen vorgenommen – Menschen haben es getan. Die Gelehrten, die Priester, die Rabbiner, die Magier – sie alle schrieben das Wort Gottes um, damit es ihren eigenen Zwecken diente.
Der Mahdi kommt nicht, um über die Verfälschungen hinwegzusehen. Er kommt, um sie zu entlarven. Er kommt mit den ursprünglichen, unverfälschten Schriften – der wahren Tora, die Mose empfing, dem wahren Evangelium, das Jesus offenbart wurde, den wahren Psalmen, die David sang, und den ursprünglichen Lehren, die Zarathustra empfing. Er wird sie aus den Höhlen und Bergen holen, in denen sie verborgen waren, und er wird sie den Menschen vorlegen – nicht um sie zu demütigen, sondern um ihnen zu zeigen, was sie verloren haben.
In einer der tiefgründigsten Überlieferungen der Ahlulbayt heißt es, dass Imam Mohammed Al-Baqir sagte:
„Der Herr der Sache wurde Mahdi genannt, weil er zu einer verborgenen Sache leitet. Er wird die Tora und die anderen Bücher Gottes aus einer Höhle in Antiochia hervorholen. Er wird zwischen den Anhängern der Tora nach der Tora richten, zwischen den Anhängern des Evangeliums nach dem Evangelium, zwischen den Anhängern der Psalmen nach den Psalmen und zwischen den Anhängern des Korans nach dem Koran.“ (Bihar al-Anwar, Band 51, S. 29)
Die Formulierung ist atemberaubend. Der Mahdi wird die Tora nicht durch den Koran ersetzen. Er wird das Volk der Tora mit der Tora richten. Er wird das Volk des Evangeliums durch das Evangelium richten. Er wird den Anhängern jeder Religion ihre eigene Schrift vorhalten – aber nicht die verfälschte Fassung, die sie heute in den Händen halten, sondern die ursprüngliche, unverfälschte Fassung, wie Gott sie offenbart hat.
Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt gehen noch weiter. Sie sprechen nicht nur von den drei abrahamitischen Religionen, sondern von allen Religionen, die Gott offenbart hat. In einer tiefgründigen Überlieferung von Imam Ja'far Al-Sadiq heißt es:
„Bei Gott, o Mufaddal, die Unterscheidung zwischen den Religionen und Glaubensrichtungen wird aufgehoben werden, und die Religion wird gänzlich eine sein, so wie Gott, der Erhabene, sagt: ‚Wahrlich, die Religion bei Gott ist der Islam.‘“ (Bihar al-Anwar, Band 53, S. 4)
Das ist die unerträgliche Wahrheit: Der Mahdi tritt für die Religionsfreiheit ein. Das Ziel des Weisen sagt dies deutlich. Darüber hinaus kommt der Mahdi nicht einfach, um den Islam über die anderen Glaubensrichtungen zu erheben, sondern um zu zeigen, dass alle wahren Religionen aus einer einzigen Quelle stammen.
Der Koran nennt dieses Prinzip ganz deutlich. Gott sagt:
„Wahrlich, die Religion bei Gott ist der Islam“ (Sure Al'Imran 3:19)
Doch der Islam ist nicht das, was die Menschen aus ihm gemacht haben. Der Islam ist die ursprüngliche Religion aller Propheten – die Religion Abrahams, Moses, Jesu, Zarathustras und Muhammads. Der Mahdi wird diese ursprüngliche Religion wiederherstellen – nicht indem er die anderen Religionen abschafft, sondern indem er sie zu ihrer ursprünglichen Quelle zurückführt. Er wird den Juden die wahre Tora zeigen, die sie verloren haben. Er wird den Christen das wahre Evangelium zeigen, das sie verfälscht haben. Er wird den Zoroastriern die wahren Lehren Zarathustras zeigen, die sie vergessen haben. Und er wird den Muslimen den wahren Islam zeigen, den sie entstellt haben.
Die Menschen erwarten einen Retter, der ihre eigene Religion bestätigt. Sie werden einen bekommen, der ihnen zeigt, dass ihre Religion verderbt ist. Sie erwarten einen Anführer, der die anderen Religionen besiegt. Sie werden einen bekommen, der die Wahrheit in allen Religionen ans Licht bringt. Der Mahdi wird nicht kommen, um die Muslime zu trösten, die Christen zu bestätigen oder die Juden zu erhöhen. Er wird kommen, um sie alle zu einer einzigen Religion zurückzuführen – nicht durch Zwang, sondern durch die Kraft der Wahrheit.
- Er kommt mit einem neuen Bund
Die Menschen erwarten von einem Retter, dass er kommt, um zu retten. Sie erwarten, dass er die bestehenden Strukturen reformiert, das Alte verbessert, die Dinge in Ordnung bringt. Sie erwarten einen Weisen, der die Schäden der Welt mit sanfter Hand repariert. Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt zeichnen ein Bild, das all diese Erwartungen in einer einzigen, gewaltigen Geste zerschmettert: Der Mahdi kommt nicht, um zu reparieren. Er kommt, um zu zerstören. Und aus den Trümmern erschafft er etwas völlig Neues.
Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte Heilsgeschichte zieht. Jedes Mal, wenn Gott mit der Menschheit einen neuen Bund schließen wollte, musste zuerst der alte sterben. Noah – die Sintflut als Neuanfang. Die Menschheit war verderbt. „Und als der Herr sah, dass die Bosheit der Menschen groß war auf Erden“ (Genesis 6,5), beschloss er, alles zu vernichten. Die Sintflut kam. Sie tötete fast alles. Nur Noah und seine Familie überlebten. Aus den Trümmern der alten Welt erhob sich eine neue. Die Zerstörung war die Voraussetzung für einen Neuanfang. Jesus – der Tod vor der Auferstehung. Jesus selbst lehrte dieses Prinzip. Er sagte zu seinen Jüngern:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)
Der Tod muss kommen, bevor neues Leben entstehen kann. Die Zerstörung ist der Same der Auferstehung. Der Islam – die Zerstörung der Götzen. Als Prophet Muhammad nach Mekka zurückkehrte, zerstörte er die Götzenbilder in der Kaaba. Er ließ sie nicht wieder aufbauen oder renovieren. Er zerschmetterte sie mit eigener Hand. Die alten Götzen mussten sterben, damit der reine Monotheismus leben konnte. Die Zerstörung war der Akt der Befreiung.
Der Koran lehrt, dass Gott die Welt nicht nur erschaffen hat – er erschafft sie immer wieder neu. „An dem Tag, da Wir den Himmel zusammenrollen wie eine Schriftrolle für die Schriften“ (Sure al-Anbiya 21:104). Die Welt, wie wir sie kennen, ist nur eine vorübergehende Schöpfung. Am Ende wird sie zusammengerollt und durch etwas Neues ersetzt. Der Mahdi ist derjenige, der dieses Prinzip auf die Erde bringt. Er rollt die alte Ordnung zusammen – die Ordnung der Unterdrückung, der Heuchelei, der falschen Gelehrsamkeit – und ersetzt sie durch etwas, das sich die Menschen nicht einmal vorstellen können.
Doch bevor der Mahdi kommen kann, muss die Welt einen Zustand erreichen, der jeden Neuanfang nicht nur möglich, sondern notwendig macht. Prophet Muhammad beschrieb diesen Zustand mit erschütternder Klarheit. Er sagte:
„Bald wird eine Zeit über die Menschen kommen, in der vom Islam nichts übrig bleibt als sein Name und vom Koran nichts außer seiner Schrift. Ihre Moscheen werden prachtvoll sein, aber leer von wahrer Rechtleitung. Ihre Gelehrten werden die schlechtesten Wesen unter dem Himmel sein; von ihnen geht die Verwirrung aus, und zu ihnen kehrt sie zurück.“ (Khalqu Af'al al-'Ibad von al-Bukhari, Hadith Nr. 252)
Das ist die Welt, in die der Mahdi kommt: eine Welt, in der der Islam nur ein leeres Etikett ist, der Koran nur eine tote Schrift, die Moscheen nur prachtvolle Hüllen ohne geistigen Gehalt und die Gelehrten die schlechtesten Menschen – nicht Hüter der Wahrheit, sondern Urheber der Verwirrung.
Der Mahdi kommt nicht, um eine intakte Religion zu bestätigen – er kommt, um eine tote Religion wiederzubeleben. Er kommt, um den Gehalt des Islam wiederherzustellen, wo nur der Name geblieben ist. Er kommt, um den Sinn des Korans wiederherzustellen, wo nur die Schrift geblieben ist. Er kommt, um die Moscheen von ihrem äußeren Glanz zu befreien und sie mit innerer Rechtleitung zu füllen. Und er kommt, um die Gelehrten zu entmachten, die die Verwirrung verursacht haben.
Der Mahdi kommt nicht, um die bestehende Ordnung zu bestätigen. Er kommt, um sie zu zerstören und durch etwas völlig Neues zu ersetzen. In einer der tiefgründigsten Überlieferungen der Ahlulbayt, überliefert von Imam Mohammed Al-Baqir, heißt es:
„Wenn der Qaim sich erhebt, wird er mit einer neuen Sache kommen, einem neuen Buch, einer neuen Sunna und einem neuen Urteil.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 192)
Doch was bedeutet es, dass der Mahdi mit einem „neuen Buch“ kommt? Die Neuheit dieser Programme, Methoden und Urteile besteht nicht darin, dass er eine neue Religion bringt, sondern darin, dass er den Islam so weit aus dem Dickicht der Aberglauben und falschen Auslegungen herausholt, dass er als völlig neue und frische Religion erscheint.
Der Mahdi zerstört nicht nur die geistigen Verfälschungen, sondern auch die körperlichen Symbole der Verderbtheit. In einer Überlieferung in Bihar al-Anwar heißt es:
„Al-Qaim wird die heilige Moschee in Mekka bis auf die Grundmauern niederreißen und die Moschee des Gesandten in Medina bis auf die Grundmauern niederreißen.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 338)
Der Mahdi wird die Kaaba nicht verschonen. Er wird sie niederreißen – nicht aus Hass, sondern aus Liebe zur Wahrheit. Denn die Kaaba, wo sie heute steht, ist nicht die wahre Kaaba, die Abraham gebaut hat. Sie wurde von den Menschen verändert und verfälscht. Der Mahdi wird sie an ihren ursprünglichen Ort zurückbringen – dorthin, wo Gott es Abraham geboten hat. Die Zerstörung ist radikal. Sie ist kompromisslos. Sie kennt keine Heiligtümer, keine Tabus, keine roten Linien. Denn die Wahrheit ist kompromisslos – und der Mahdi ist die lebendige Verkörperung der Wahrheit.
Die radikalste Zerstörung, die der Mahdi bringt, ist die Zerstörung der Herzen. Bevor er die Herzen der Menschen zur Vollkommenheit führt, muss er sie zuerst brechen. Er muss die Menschen von dem befreien, was sie gefangen hält – ihre Begierden, ihre Selbsttäuschungen, ihre Illusionen. Die Überlieferungen sprechen von einer Verwandlung der Herzen, die so radikal ist, dass sie die Menschen unkenntlich macht.
Imam Mohammed Al-Baqir sagte: „Wenn unser Qaim sich erhebt, wird Allah, der Erhabene und Majestätische, die Herzen unserer Schia zu Eisenstücken machen.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 316)
Die Herzen werden wie Eisen – nicht aus Bosheit, sondern aus unerschütterlicher Standhaftigkeit. Der Mahdi zerstört die Weichheit der Selbstgefälligkeit und schmiedet die Herzen zu Waffen der Wahrheit. Wer dies nicht ertragen kann, wird zerbrechen. Wer es erträgt, wird Berge versetzen.
Doch die Verwandlung der Herzen ist nicht nur eine Verwandlung der Stärke – sie ist eine Verwandlung des gesamten Daseins. In einer von Imam Ali überlieferten Überlieferung heißt es:
„Wenn unser Qaim sich erhebt, wird der Himmel seinen Regen herabgießen und die Erde ihre Pflanzen hervorbringen, und die Herzen der Menschen werden zur Wahrheit hingezogen werden.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 338)
Die Herzen werden nicht nur stark werden – sie werden von der Wahrheit angezogen werden wie Eisen von einem Magneten. Die Menschen müssen nicht mehr darum ringen, die Wahrheit zu erkennen – sie werden sie instinktiv suchen, weil ihre Herzen selbst nach der Wahrheit verlangen. Diese Verwandlung ist die tiefste Zerstörung von allen: die Zerstörung der Gleichgültigkeit, die Zerstörung der Ablehnung, die Zerstörung des Herzens, das sich der Wahrheit verschließt.
Die Überlieferungen sprechen auch von einer geistigen Verwandlung, die so tiefgreifend ist, dass sie die gesamte Schöpfung umfasst. In Bihar al-Anwar wird überliefert, dass Imam Mohammed Al-Baqir sagte:
„Wenn unser Qaim sich erhebt, wird Allah alle Krankheiten von den Schiiten nehmen und ihre Herzen zu Eisenstücken machen.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 316)
Die körperliche Heilung ist nur ein Sinnbild der geistigen Heilung: Die Herzen werden von allen Krankheiten befreit – von Neid, von Hass, von Gier, von Selbsttäuschung. Sie werden rein sein wie Eisen, das im Feuer gereinigt wurde. Und diese Reinheit ist die Voraussetzung für die neue Welt, die der Mahdi erschaffen wird.
Er wird die Herzen der Menschen von den Begierden befreien und sie zu Eisen schmieden. Er wird sie unabhängig machen von allem, was sie gefangen hält. Und dann, wenn sie nackt und bloß vor der Wahrheit stehen, dann – und nur dann – wird er sie wieder aufbauen. Doch zuerst kommt die Zerstörung. Zuerst kommt der neue Bund.
- Seine Waffe gegen die Tyrannei ist die Einheit
Die Menschen erwarten von einem Retter, dass er die bestehenden Gemeinschaften bestätigt und sie gegen ihre Feinde verteidigt. Vielleicht erwarten Muslime vom Mahdi, dass er die Muslime gegen die „Ungläubigen“ anführt, die Unterdrückten gegen die Unterdrücker wendet, die „Guten“ gegen die „Bösen“ aufstellt.
Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt zeichnen ein Bild, das all diese Erwartungen in einer einzigen, gewaltigen Geste zerschmettert: Der Mahdi kommt nicht, um eine Gemeinschaft gegen eine andere anzuführen. Er kommt, um die Mauern zwischen allen Gemeinschaften niederzureißen und eine einzige, wahre Gemeinschaft zu schaffen – und damit zerschmettert er die Tyrannei in all ihren Formen.
Beides ist ein einziger Akt der Befreiung: Er befreit die Menschen von äußeren Ketten und von inneren Mauern zugleich.
Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte Heilsgeschichte zieht. Jedes Mal, wenn Gott einen neuen Propheten sandte, wurde die Botschaft von den Menschen vereinnahmt und zu einem Werkzeug der Spaltung gemacht. Die Tora wurde zum ausschließlichen Besitz der Juden erklärt. Das Evangelium wurde zum ausschließlichen Besitz der Christen erklärt. Der Koran wurde zum ausschließlichen Besitz der Muslime erklärt. Die eine Botschaft Gottes wurde zu vielen Religionen, vielen Sekten, vielen Feindschaften.
Die Tora selbst warnt vor diesem Missbrauch der göttlichen Botschaft.
„Ihr sollt kein Unrecht im Gericht tun. Du sollst nicht die Person des Geringen ansehen noch die Person des Großen ehren; in Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten.“ (Levitikus 19,15)
Gerechtigkeit kennt keine Parteilichkeit. Sie kennt keine Bevorzugung der Reichen, keine Benachteiligung der Armen, keinen Unterschied zwischen Freund und Feind. Diese radikale Gleichheit ist das Fundament der wahren Gemeinschaft, die der Mahdi errichten wird.
Der Prophet Jesaja spricht von einer Zeit, in der die Tyrannei ein Ende haben wird:
„Denn der Gewalttätige wird nicht mehr sein, und der Spötter wird ein Ende haben, und alle, die auf Unheil bedacht sind, werden ausgerottet werden – die den Menschen mit Worten verurteilen und dem eine Schlinge legen, der sie im Gericht zur Rede stellt, und den Gerechten um eines Wortes willen stürzen.“ (Jesaja 29,20-21)
Der Mahdi wird der Vollender dieser Verheißung sein. Er wird nicht nur die Tyrannen besiegen – er wird das gesamte System zerstören, das Tyrannei möglich macht.
Der Koran bringt dieses Prinzip mit voller Klarheit zum Ausdruck. Gott sagt:
„Wahrlich, diese eure Gemeinschaft ist eine einzige Gemeinschaft, und Ich bin euer Herr, so dient Mir.“ (Sure al-Anbiya 21:92)
Eine einzige Gemeinschaft. Nicht viele, nicht getrennte, nicht zerstrittene. Eine einzige Gemeinschaft, die auf einen einzigen Herrn ausgerichtet ist. Doch diese Einheit ist nicht selbstverständlich – man muss für sie kämpfen. Sie muss von den Ketten der Tyrannei befreit werden, die die Menschen voneinander trennen. In der Sure ash-Shuraa heißt es:
„Und diejenigen, die sich verteidigen, wenn die Tyrannei sie trifft.“ (Sure ash-Shuraa 42:39)
Die Verteidigung gegen die Tyrannei ist nicht nur ein Recht – sie ist eine Pflicht. Doch diese Verteidigung ist nicht die Verteidigung einer Gruppe gegen eine andere. Es ist die Verteidigung der Gerechtigkeit selbst – gegen alle, die sie unterdrücken. Der Mahdi wird diese Verteidigung vollenden, indem er nicht nur gegen die Tyrannen kämpft, sondern das gesamte System der Tyrannei zerstört, das die Menschen voneinander trennt. In einer anderen Überlieferung der Ahlulbayt heißt es, dass
Imam Mohammed Al-Baqir den Vers aus der Sure al-Qasas rezitierte:
„Aber Wir wollen denen Gutes tun, die im Land schwach gehalten wurden, und sie zu Vorbildern machen und sie zu Erben machen.“ (Sure al-Qasas 28:5)
Dann sagte er: „Bei Gott, die in diesem Vers Beschriebenen sind wir, die Ahlulbayt, und Gott wird erfüllen, was in dem Vers gesagt ist, durch einen Mann aus unserer Mitte, der der Mahdi dieser Gemeinschaft ist und von dem der Prophet sagte: ‚Selbst wenn nur ein einziger Tag auf Erden übrig bleibt, wird Gott ihn verlängern, bis Er aus meiner Nachkommenschaft einen frommen Mann hervorbringt, dessen Name wie mein Name ist, und er wird die Erde mit Gerechtigkeit und Billigkeit füllen, so wie sie mit Unterdrückung und Tyrannei gefüllt war.‘“ (Bihar al-Anwar, Band 51, S. 47)
Der Mahdi wird keine Gemeinschaft über die andere erheben. Er wird die ursprüngliche Botschaft aller Gemeinschaften wiederherstellen – und damit die Gemeinschaften selbst einen. Die Juden werden die wahre Tora erkennen, die Christen das wahre Evangelium, die Muslime den wahren Koran – und alle werden begreifen, dass sie ein und dieselbe Botschaft empfangen haben.
Prophet Muhammad selbst beschrieb die Gemeinschaft des Mahdi in einer in Sunan Abi Dawood überlieferten Überlieferung:
„Die Welt wird nicht enden, bis ein Mann aus meiner Familie (Ahlulbayt) und mit meinem Namen die Welt beherrscht, wenn die Erde mit Ungerechtigkeit und Tyrannei erfüllt ist.“ (Sunan Abi Dawud, Hadith 4282)
Die Herrschaft des Mahdi ist nicht die Herrschaft einer Gruppe über andere – sie ist die Herrschaft der Gerechtigkeit über die Tyrannei. Eine andere Überlieferung sagt: „Er wird die Erde mit Gerechtigkeit und Billigkeit füllen, so wie sie mit Unterdrückung und Tyrannei gefüllt war.“ (Sunan Abi Dawud, Hadith 4285). Der Mahdi wird nicht die Muslime über die Ungläubigen triumphieren lassen – er wird die Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit triumphieren lassen. Und Gerechtigkeit kennt keine Religionszugehörigkeit.
Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt gehen noch weiter. Sie sprechen von der radikalen Konsequenz dieser Einheit: der Zerstörung der Tyrannei in all ihren Formen. In Bihar al-Anwar wird überliefert, dass Imam Mohammed Al-Baqir sagte: „Der Qaim wird sich nur in einer Zeit der Furcht und des Schreckens erheben.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 338). Diese Furcht und dieser Schrecken sind nicht die Furcht vor dem Mahdi – es ist die Furcht, die die Tyrannei in den Herzen der Menschen verursacht hat. Und der Mahdi wird diese Furcht zerstören.
Imam Mohammed Al-Baqir sagte: „Der Aufstehende (al-Qaim), Friede sei mit ihm, wird sich nur in einer Zeit großer Not unter den Menschen erheben ... bis es kein Haus aus Lehm und kein Zelt aus Tierhaar mehr gibt, das nicht von Ungerechtigkeit, Tyrannei und Furcht heimgesucht worden wäre.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 268)
Und in diese Welt der Furcht und des Kummers kommt der Mahdi – nicht um sie zu bestätigen, sondern um sie für immer zu beenden.
In einer von Imam Mohammed Al-Baqir überlieferten Überlieferung heißt es:
„Der Mahdi wird sich zu einer Zeit erheben, in der die Zügel der Angelegenheiten in den Händen von Tyrannen liegen.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 338)
Die Welt vor dem Mahdi ist eine Welt, in der die Tyrannen herrschen. Die Gerechten werden unterdrückt, die Wahrheit wird verfolgt, die Religion wird verfälscht. Der Mahdi wird diese Tyrannen nicht reformieren – er wird sie zerstören. Eine Überlieferung sagt:
„(Am Ende der Zeit) wird ein edler Mann mit Reichtum und Kindern sich den Tod wünschen wegen des Leidens und der Drangsal, die er von den Herrschern erfährt.“ (Bihar al-Anwar, Band 51, S. 49)
Das ist die Welt, in die der Mahdi kommt – eine Welt, die so voller Tyrannei ist, dass die Menschen den Tod dem Leben vorziehen. Und genau diese Welt wird der Mahdi zerstören.
Prophet Muhammad sagte über die Zeit vor dem Mahdi:
„Am Ende der Zeit wird meine Gemeinschaft eine große Katastrophe erleiden, größer als alles, wovon je gehört wurde, sodass die Weite der Erde für sie eng wird und die Erde mit Ungerechtigkeit und Despotismus erfüllt wird, so sehr, dass der Gläubige keinen Ort findet, an den er sich flüchten kann.“ (Bihar al-Anwar, Band 51, S. 79)
Die Gläubigen werden keinen Ort finden, an dem sie sicher sind. Die Tyrannei wird allgegenwärtig sein. Und genau in diesem Augenblick wird der Mahdi erscheinen – nicht um die Gläubigen zu trösten, sondern um die Tyrannei ein für alle Mal zu zerstören.
Doch die Überlieferungen sprechen nicht nur von der Zerstörung der Tyrannei – sie sprechen auch von der Errichtung der wahren Gemeinschaft. Die Menschen werden nicht durch Zwang geeint werden – sie werden durch die Kraft der Wahrheit geeint werden. Ihre Herzen werden von der Wahrheit angezogen werden wie Eisen von einem Magneten. Sie werden die Mauern zwischen sich nicht mehr sehen – sie werden nur noch die eine Wahrheit sehen, die sie alle verbindet.
Die Menschen suchen einen Retter, der ihre eigene Gemeinschaft bestätigt und sie gegen die anderen verteidigt. Sie werden einen bekommen, der die Mauern zwischen allen Gemeinschaften niederreißt und eine einzige Gemeinschaft der Wahrheit errichtet. Sie werden einen Anführer haben, der die Tyrannen besiegt und die Gerechten erhöht. Sie werden einen bekommen, der die Tyrannei in all ihren Formen zerstört – die politische Tyrannei, die religiöse Tyrannei, die geistige Tyrannei.
Der Mahdi wird nicht kommen, um die Muslime zu trösten, die Christen zu bestätigen oder die Juden zu erhöhen. Er wird kommen, um alle Mauern niederzureißen, die die Menschen voneinander trennen – die Mauern der Religion, der Rasse, der Nation, der Klasse. Und er wird die Tyrannei zerschmettern, die diese Mauern errichtet hat. Er wird nicht kommen, um die eine Seite gegen die andere anzuführen – er wird kommen, um die Seite der Wahrheit gegen die Seite der Lüge anzuführen. Und auf dieser Seite werden alle stehen, die die Wahrheit suchen – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Nation.
5. Er zeigt Ihnen, wie man den Mahdi erkennt
Die Menschen stellen sich das Kommen des Mahdi gern als große Inszenierung vor. Er erscheint in Mekka, und alle erkennen ihn sofort. Die Menge strömt herbei, die Gläubigen werfen sich ihm zu Füßen, und zwischen dem Schwarzen Stein und dem Maqam Ibrahims wird ihm die Treue geschworen. Ein widerstrebender König, der von der Menge auf den Thron gehoben wird – so lautet die Vorstellung im Volk. Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt zeichnen ein Bild, das all diese Erwartungen in einer einzigen, gewaltigen Geste zerschmettert.
Der Mahdi wird nicht einfach erkannt – er wird offenbart. Und seine Erkennung ist die größte Prüfung, die den Gläubigen je abverlangt wurde.
Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte Heilsgeschichte zieht. Die Propheten vor ihm wurden von ihren eigenen Völkern missverstanden. Noah wurde für verrückt erklärt, als er die Arche baute. Abraham wurde von seinem eigenen Vater verstoßen. Mose wurde von den Ägyptern gejagt. Jesus wurde von den Juden, die auf den Messias warteten, nicht erkannt – sie kreuzigten ihn, weil sie ihn für einen Betrüger hielten. Prophet Muhammad wurde von den Quraisch verspottet, als er die Offenbarung verkündete. Den Gesandten Gottes anzuerkennen war nie selbstverständlich – es war immer die schwerste Prüfung.
Die Tora warnt, dass das Herz des Menschen sich so verhärten kann, dass er die Wahrheit nicht mehr erkennt.
„Ich aber will sein Herz verhärten, dass er das Volk nicht ziehen lässt.“ (Exodus 4,21)
Die Verhärtung des Herzens ist das größte Hindernis für die Annahme der Wahrheit. Der Prophet Jesaja klagte:
„Denn das Herz dieses Volkes ist verhärtet, und mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht mit ihren Augen sehen und mit ihren Ohren hören und mit ihrem Herzen verstehen und sich bekehren und Ich sie heile.“ (Jesaja 6,10)
Die Menschen sehen die Zeichen, aber sie erkennen sie nicht. Sie hören die Wahrheit, aber sie verstehen sie nicht. Ihre Herzen sind verschlossen – und genau dieses verschlossene Herz wird der Mahdi aufbrechen müssen.
Der Koran bringt dieses Prinzip mit voller Klarheit zum Ausdruck.
Gott sagt: „Wir werden ihnen Unsere Zeichen an den Horizonten und in ihnen selbst zeigen, bis ihnen klar wird, dass Er die Wahrheit ist.“ (Sure Fussilat 41:53)
Den Mahdi zu erkennen ist keine Frage des Sehens – es ist eine Frage des Herzens. In einem von Imam Mohammed Al-Baqir und Imam Ja'far Al-Sadiq überlieferten Hadith heißt es:
„Ein Diener kann kein Gläubiger sein, wenn er nicht Allah, Seinen Gesandten, alle Imame und den Imam seiner Zeit erkannt hat, sich ihm zuwendet (ihm die Dinge zuschreibt) und sich ihm vollständig unterwirft.“ (Al-Kafi, Band 1, S. 446)
Die Anerkennung des Imams der Zeit ist kein freiwilliger Zusatzdienst – sie ist die Grundlage des Glaubens selbst. Wer den Mahdi nicht erkennt, erkennt weder Allah noch den Propheten. Prophet Muhammad selbst sagte:
„Wer al-Mahdi nicht anerkennt, erkennt weder die Propheten vor mir noch mich selbst an.“ (Kanz al-Fawa'id, S. 151-152)
Doch diese Anerkennung ist nicht selbstverständlich – sie ist das Schwierigste, was den Gläubigen abverlangt wird. Imam Mohammed Al-Baqir sagte:
„Wahrlich, wenn ein Mann seine Nächte im Gebet verbrächte, seine Tage fastend, sein gesamtes Hab und Gut als Almosen gäbe und sein Leben lang (jedes Jahr) den Hadsch verrichtete, aber die Wilayah des Sachwalters Gottes (Waliullah) nicht kennte, um ihm zu folgen und so alle seine Taten auf dessen Leitung zu gründen – dann hätte er vor Allah keinen Anspruch auf irgendeinen Lohn, noch wäre er einer von den Menschen des Glaubens (den Gläubigen).“ (Wasail al-Shia, Band 1, S. 90)
Die Anerkennung des Mahdi ist wichtiger als alle guten Taten zusammen. Ohne sie sind Gebete, Fasten und Almosen wertlos. Doch woran erkennt man den Mahdi? Die Überlieferungen der Ahlulbayt geben darauf eine klare Antwort: Er wird an dem erkannt, was er bringt – nicht an dem, was er ist, sondern an dem, was er in seinen Händen hält.
Das erste Zeichen ist das Banner. Die schwarzen Banner sind nicht einfach Fahnen – sie sind das sichtbare Zeichen der göttlichen Sendung. Eine Überlieferung der Ahlulbayt sagt:
„Wahrlich, wir Ahlulbayt haben ein Banner; wer ihm vorausläuft, ist abgeirrt, und wer ihm folgt, ist zugrunde gegangen, und wer ihm nachfolgt, ist uns gefolgt. Darauf steht geschrieben: ‚Treueschwur auf Allah.‘“ (Bihar al-Anwar, Band 34, S. 121)
Das Banner des Mahdi ist nicht von dieser Welt – es ist ein Banner der Wahrheit, das die Herzen der Gläubigen stärkt und die Herzen der Ungläubigen mit Furcht erfüllt.
Imam Al-Sadiq sagte über dieses Banner:
„Er wird das Banner des Gesandten Gottes entfalten, dessen Stange vom Fuß des göttlichen Throns stammt und dessen Rest göttlicher Triumph ist. Er wird sich mit diesem Banner nichts entgegenstellen, ohne dass Gott, der Allmächtige, es vernichtet. Wenn er das Banner erhebt, werden die Herzen aller Gläubigen stark wie Eisenstücke.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 328)
Imam Ali sagte: „Wenn er sein Banner entfaltet, wird es die Ferne zwischen Osten und Westen erleuchten.“ (Bihar al-Anwar, Band 51, S. 35)
Das Banner ist nicht nur ein Symbol – es ist ein Wunder, das die Menschen zwingt hinzusehen.
Das zweite Zeichen ist das öffentliche Testament – der dokumentierte Beweis seiner Legitimität. Imam Ja'far al-Sadiq überlieferte:
„Ich hörte Abu Abdillah [Imam as-Sadiq], Friede sei mit ihm, sagen: Der Herr dieser Sache [der Mahdi] wird an drei Eigenschaften erkannt, die bei keinem anderen Menschen außer ihm zusammenkommen: dass er derjenige ist, der dem Vorgänger am nächsten steht, dass er die Waffen [des Gesandten Gottes] besitzt und dass er der Inhaber des öffentlichen, offenkundigen Testaments (al-Waṣiyya aẓ-Ẓāhira) ist, das von solcher Art ist, dass, wenn ihr nach Medina kämet und die einfachen Leute und die Kinder fragtet: ‚An wen hat der und der sein Testament gerichtet?‘, sie alle sagen würden: ‚An den und den, den Sohn des und des.‘“ (Al-Kafi, Band 1, S. 284)
Der Mahdi wird nicht einfach da sein – er wird mit dem Beweis in der Hand kommen. Er wird sich auf die Schriften der Imame stützen, auf die Prophezeiungen, die sich in ihm erfüllen. Er wird nicht um Anerkennung betteln – er wird sie einfordern, mit dem Testament der Ahlulbayt als seinem Siegel.
Das dritte Zeichen ist das göttliche Wissen – das Ilm al-Ladunni, das Wissen, das Gott seinen auserwählten Dienern unmittelbar in die Herzen eingibt. In den Überlieferungen der Ahlulbayt heißt es, dass der Mahdi das Wissen der Buchstaben (Ilm al-Huruf) und die Geheimnisse der Abjad-Berechnung besitzen wird. Er wird die verborgenen Bedeutungen der Schöpfung entschlüsseln und Einsichten besitzen, die selbst den größten Gelehrten verborgen bleiben. Dieses Wissen ist kein erlerntes – es ist ein unmittelbar von Gott eingehauchtes.
Eine Überlieferung sagt: „Ich hörte Abu Abdillah [Imam as-Sadiq], Friede sei mit ihm, sagen: Wenn unser Aufstehender (al-Qaim) sich erhebt, wird Allah, der Mächtige und Erhabene, das Gehör und das Sehvermögen unserer Schia so sehr stärken (erweitern), dass es zwischen ihnen und dem Gesandten keinen Boten geben wird; er spricht zu ihnen, und sie hören ihn und sehen ihn an, während er an seinem eigenen Ort bleibt.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 336)
Die Gläubigen werden den Mahdi nicht nur mit ihren Augen sehen – sie werden ihn mit ihren Herzen erkennen, weil Gott ihnen die Fähigkeit dazu geben wird.
Doch genau hier liegt die größte Prüfung. Der Mahdi wird nicht mit einem Schild auf der Brust erscheinen, auf dem steht: „Ich bin der Retter.“ Er wird zu einer Zeit kommen, in der sechzig Lügner vor ihm aufgetreten sein werden – alle behaupten, der Mahdi zu sein. Die Menschen werden über falsche Messiasse so verzweifelt sein, dass sie den wahren nicht mehr erkennen können – oder wollen. In einer Überlieferung in Bihar al-Anwar heißt es:
„Die Menschen werden Imam Mahdi bei seinem Erscheinen leugnen, weil sie erwarten, einen alten Mann zu finden, aber sie werden einen jungen Mann sehen, der zu ihnen zurückgekehrt ist.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 152)
Sie erwarten einen weisen alten Mann und bekommen einen jungen Mann. Sie erwarten jemanden, der wie ein König aussieht, und bekommen jemanden, der wie ein gewöhnlicher Mann aussieht.
„Ich hörte Abu Abdillah [Imam Al-Sadiq], Friede sei mit ihm, sagen: Wahrlich, die größte der Prüfungen in Bezug auf den Herrn dieser Sache ist, dass er als junger Mann zu ihnen zurückkehrt, während sie ihn für einen alten Mann hielten, und wahrlich, niemand wird darin standhaft bleiben außer denen, von denen Allah im ersten Buch (Al-Dharr) den Bund genommen hat.“ (Bihar al-Anwar, Band 52, S. 287)
Die Erkennung des Mahdi ist eine Prüfung, die die Menschen aufs Äußerste herausfordert. Sie müssen über ihre eigenen Vorurteile hinausblicken, über ihre eigenen Erwartungen, über ihre eigenen Bequemlichkeiten. Sie müssen bereit sein anzuerkennen, was sie nicht erwartet haben – und das ist das Unerträglichste von allem.
Doch die Überlieferungen der Ahlulbayt gehen noch weiter. Sie sprechen von einer geistigen Verbindung zwischen dem Mahdi und den Gläubigen, die über das bloße Sehen hinausgeht. Die Menschen werden den Mahdi nicht erkennen, weil sie ihn sehen – sie werden ihn erkennen, weil ihre Herzen zur Wahrheit hingezogen werden, wie Eisen zu einem Magneten. Diese Anziehung ist keine äußere – sie ist eine innere Verwandlung, die der Mahdi in den Herzen der Gläubigen bewirkt.
Die Gläubigen werden eine unmittelbare Verbindung zum Mahdi haben – eine Verbindung, die Raum und Zeit überschreitet. Sie werden ihn sehen, auch wenn sie weit von ihm entfernt sind. Sie werden ihn hören, auch wenn er schweigt. Diese Verbindung ist die Gabe der Erkenntnis – und sie ist es, die die Gläubigen von den Ungläubigen unterscheidet.
Die Menschen erwarten einen Retter, der kommt, um sie zu retten. Sie werden einen bekommen, der kommt, um sie zu prüfen. Sie erwarten jemanden, den sie sofort erkennen. Sie werden jemanden bekommen, den man nur mit reinem Herzen erkennen kann. Der Mahdi wird nicht mit einem Schild auf der Brust kommen. Er wird mit einem Banner kommen, das die Herzen der Gläubigen erleuchtet – und die Herzen der Ungläubigen mit Furcht erfüllt. Er wird mit dem öffentlichen Testament kommen – und die Gelehrten werden es leugnen. Er wird mit dem göttlichen Wissen auf den Lippen kommen – und die Menschen werden sich die Ohren zuhalten.
Den Mahdi zu erkennen ist keine Frage des Sehens. Es ist eine Frage des Herzens. Wer ein reines Herz hat, wird ihn erkennen – nicht weil er einen Schild trägt, sondern weil die Wahrheit in seinem Herzen widerhallt. Wer ein verderbtes Herz hat, wird ihn nicht erkennen – selbst wenn er vor ihnen steht und die Wahrheit hinausschreit.
Die Menschen werden ihn nicht erkennen – nicht weil er sich verbirgt, sondern weil ihre Herzen verschlossen sind. Er wird sagen, was niemand hören will – und dafür werden sie ihn verstoßen, wie sie Noah verworfen, wie sie Jesus gekreuzigt, wie sie die Propheten vor ihm verfolgt haben.