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Was geschah, als „Humanity First“ auf einen deutschen Weihnachtsmarkt traf

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Ein friedlicher Marsch in Essen zeigte, wie Angst, Politik und soziale Medien Forderungen nach Gerechtigkeit verzerren.

Von Klara Kassem

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Menschen mit einem schwarzen Banner demonstrieren auf einer festlich geschmückten Straße mit Marktständen. Eine Hand hält ein Telefon, das die Szene zeigt.

Am 11. Dezember 2025 hielten Mitglieder der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts ein Banner mit der Botschaft „Die Treue gehört Gott“ hoch. Was danach geschah, offenbart den zerrütteten Zustand der heutigen Welt und unserer modernen Gesellschaft.

Deutschland war einst ein Land, das Flüchtlinge und Fremde willkommen hieß. In den frühen 1950er-Jahren kamen Tausende Gastarbeiter aus Italien und der Türkei nach Deutschland und leisteten einen bedeutenden Beitrag zur blühenden wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Diese Kultur der Offenheit zeigte sich auch Jahrzehnte später, als Angela Merkel im Sommer 2015 Flüchtlinge mit den Worten „Wir schaffen das!“ willkommen hieß.

Ein besonderer Brennpunkt in Deutschland wurde zum Ankunftsort für viele Nationalitäten. Das Rhein-Ruhr-Gebiet, bekannt für den Kohlebergbau, wurde zu einem wahren „Schmelztiegel“ nationaler Vielfalt. Auf der Karte erscheint die Region wie eine Megametropole: mehr als sechs Städte, die durch wirtschaftliche Verflechtungen zu einem gigantischen Ballungsraum zusammengewachsen sind, in dem heute über 5,1 Millionen Menschen leben, mit der Stadt Essen genau in der Mitte.

In dieser Region geboren und aufgewachsen, war ich immer stolz auf das Ruhrgebiet und seine Menschen. Für mich war die Kultur des „Ruhrgebiets“ ein lebendiges Beispiel für Toleranz und gelebte Menschlichkeit. Die Vielfalt der Sprachen, traditionelle Speisen an jeder Ecke, Kulturen und Religionen machten das Stadtbild bunt und interessant, sie machten es menschlich, weil Vielfalt als Bereicherung und nicht als Bedrohung galt. Auch wenn ich den Koran damals noch nicht kannte, sah ich den Gedanken dennoch verkörpert: „Und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt“ (Koran 49:13). Dieser Gedanke war in den Herzen der Menschen im Ruhrgebiet lebendig.

Doch eine Gesellschaft kann Unterschiede nur so lange überwinden, wie sie die Grundbedürfnisse des Einzelnen erfüllt und schützt. Um ein so komplexes soziales Gefüge gerecht zu führen, braucht es einen Führer, „der nicht vom Geld, sondern von Gerechtigkeit getrieben wird“ (Martin Luther King, 1956) und der keine Eigeninteressen hat, die Entscheidungen zum Wohl der Allgemeinheit verderben könnten. Und genau hier fällt jede Nation in das „Eidechsenloch“, wie es die jüdische und die christliche Gemeinschaft vor mehr als 2.000 Jahren taten und wie es der Prophet Muhammad vorhersagte, dass die islamische Nation ihnen folgen würde. Sie wählten immer wieder einen Führer, der die Bedürfnisse der Mehrheit befriedigte, und verwarfen den von Gott als König eingesetzten Gesandten. Sie wählten einen Vertreter des vorherrschenden „Ich zuerst“ und verwarfen das „Wir“.

„Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und vergöttern lieber den Irrtum, wenn er sie verführen kann. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr; wer sie aufzuklären sucht, ist stets ihr Opfer.“Gustave Le Bon, Psychologie der Massen

Ein gerechter Führer ist kein ferner utopischer Traum. Gerechte Führung gibt es in jeder Epoche durch die von Gott eingesetzte Person. Jesus, Moses, Buddha, Muhammad, Sokrates und Platon erschienen jeweils, um die Menschheit zu einem gerechten Zusammenleben zu führen, und legten die Grundlagen für Gesellschaften, die in göttlicher Gerechtigkeit wurzeln.

Und heute ist es Aba Al-Sadiq Abdullah Hashem, der diesen Ruf weiterträgt und aktiv verkörpert. So wird deutlich, dass die Entscheidung, welcher Führung sich die Menschen widmen und wem sie ihre Treue schenken, in der Hand jedes Einzelnen liegt.

Die Kunst unserer Zeit besteht darin, sich daran zu erinnern und nach diesem göttlichen gerechten Führer zu suchen. Die Herausforderung dieser Epoche ist es, sich nicht von Konsum und persönlichem Eigennutz ablenken zu lassen. Der erste Schritt zur Gerechtigkeit ist, den falschen Führern unserer Zeit zu entsagen.

Wenn wir heute auf Deutschland blicken, sehen wir, wie sich die Willkommenskultur drastisch ins Gegenteil verkehrt hat und wie eine Flut unwissenden Massendenkens um sich greift. Der Ruf nach Führung ist laut, doch er driftet zunehmend in Richtung rechter Ideologie. Selbst eine Region wie das Ruhrgebiet, einst geprägt von der Toleranz gegenüber unterschiedlichen Kulturen, wird zunehmend von Intoleranz verschmutzt. Besonders im Internet wird rechte Propaganda immer häufiger von jungen Menschen verbreitet.

Genau aus diesem Grund besuchten 22 Mitglieder der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts gern die Stadt Essen, um ihre Bürger an ihre Kraft und Verantwortung zu erinnern. Die von der örtlichen Polizei genehmigte Demonstration trug den Titel „Humanity First“. Denn dies ist das Grundprinzip gerechter Führung und einer friedlichen Gesellschaft. Doch die Botschaft der Einheit wird stets von denen angegriffen, die von Spaltung profitieren. So geschah es, dass während der Demonstration, als der Ruf „Menschlichkeit vor Religion, Rasse, Kultur und Sexualität“ erklang, Rufe blinden Hasses laut wurden. „Raus“, „Abschieben“ und andere feindselige Zurufe waren zu hören. Dabei heißt es im Alten Testament:

„Wer antwortet, bevor er zugehört hat, dem ist es Narrheit und Schande.“Sprüche 18,13

Über Menschen wurde voreilig geurteilt, weil eine breite Masse mit Hass durchsetzt worden war und ein bestimmtes Aussehen mit diesem Hass verband. Ein schwarzes Banner, ein Kopftuch, fremd aussehende Menschen bedeuten nicht automatisch Gefahr oder Gewalt. Doch das Klischee des gewalttätigen Islamisten hat sich in die Köpfe eingebrannt, und Hass und Angst haben die Menschen blind und taub für differenziertes Verständnis gemacht.

Doch die Begegnung mit Intoleranz und Rassismus endete damit nicht. Am Ende der Demonstration traten zwei YouTuber des Kanals „Blaues Echo“, die rechtes Denken propagieren, an die Mitglieder der Ahmadi-Religion heran und begannen ein Interview, dessen Online-Videos später Wellen schlagen sollten. Die YouTuber eröffneten das Interview mit der Frage, ob es die richtige Wahl gewesen sei, eine solche Demonstration auf einem christlichen Weihnachtsmarkt abzuhalten, und legten damit unterschwellig nahe, dass der Islam nicht zur „deutschen Kultur“ gehöre.

Die Antwort der religiösen Vertreter, Haytham und Klara K., war so klar wie einfach:

„Wir rufen zur Oberhoheit Gottes auf. Wir glauben, dass der von Gott erwählte Gesandte in dieser Zeit auf Erden gegenwärtig ist, und sein Name ist Aba Al-Sadiq Abdullah Hashem. Seine Botschaft lautet: Humanity first, Menschlichkeit vor Religion, Rasse und Sexualität. Es ist ein Ruf an die Menschlichkeit. Wo sollte diese Botschaft also verkündet werden, wenn nicht auf einem christlichen Weihnachtsmarkt?“
„Die Kernbotschaft Jesu war: ‚Humanity first.‘ Wir unterstützen dieselbe Botschaft. Ist das nicht genau die Botschaft, die auf einem christlichen Weihnachtsmarkt vertreten werden sollte? Stattdessen sehen wir, dass dieser Gedanke heute auf christlichen Weihnachtsmärkten unterdrückt wird, wo der Konsum im Mittelpunkt steht. Deshalb ist dieser Ort genau der richtige für uns, um die Menschen an das Wesen der Botschaft Jesu Christi zu erinnern: Humanity first.“

Was bleibt nach dieser Antwort? Wenn sich ein vermutetes Klischee nicht bestätigt, wird ein anderes Feindbild gesucht. In rechten Kreisen ist dieses Feindbild das liberale und linke Lager. So war die nächste Frage vorhersehbar, führte aber ebenfalls ins Leere.

Blaues Echo: „Jetzt eine provokante Frage: Wer macht in Deutschland die bessere Politik, ‚die Grünen‘ oder die ‚AfD‘?“

Haytham: „Kurz gesagt: keine von beiden.“

Klara fuhr fort: „Wir glauben an die Oberhoheit Gottes, wie Sie auf unserem Banner sehen können. Deshalb gibt es für uns nur eine ‚Partei‘, und das ist der von Gott für die Menschheit in jeder Epoche eingesetzte Gesandte.“

Eine klare Botschaft in einer Zeit politischen Chaos. Eine Botschaft, die die Grenzen dogmatisierten religiösen Verständnisses überschreitet und rassische und kulturelle Unterschiede überwindet. Jesus sagte:

„Selig sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.“Matthäus 13,16

Und so sahen an jenem Tag manche Menschen eine multikulturelle Gruppe von Frauen und Männern, mit Kopftuch und ohne, jung und alt, die in gegenseitigem Mitgefühl eine Botschaft des Friedens verkündeten. Andere sahen darin lediglich eine Leinwand, auf die sie ihre eigene Unfähigkeit projizierten, inneren Frieden zu finden.

Vier Tage später veröffentlichte der YouTube-Kanal „Blaues Echo“ das erste Kurzvideo, dramatisch verzerrt dargestellt. Das Video erreichte auf YouTube und TikTok in sehr kurzer Zeit enorme Aufrufzahlen.

Und mit jedem Aufruf wurde erneut deutlich, wie freizügig Menschen ihren Hass verbreiten. Der Kommentarbereich wurde mit Beleidigungen und Drohungen überflutet.

Und doch schien eine Fackel der Hoffnung hindurch, die das ursprüngliche Herz der Menschen im Ruhrgebiet widerspiegelte. In manchen Kommentaren zeigte sich Neugier gegenüber dem Unbekannten, und freundliche Stimmen ließen sich vernehmen.

Positive Kommentare mit Übersetzung:

„Das sind vernünftige und friedliche Menschen, und wer etwas gegen Humanity first hat, soll christlichen Weihnachtsmärkten fernbleiben. Ich heiße Menschen wie diese beiden herzlich willkommen; sie sind eine positive Bereicherung für unsere Gesellschaft. Unser Problem ist der politische und gewalttätige Islam und diese Gewalttäter, die den Islam missbrauchen und sich dahinter verstecken. Sofort abschieben.“
„Religion ist keine Kirche, Religion ist keine Moschee, Religion ist kein Buch, und sie sind keine Rituale. Religion ist Liebe, Religion ist Barmherzigkeit, Religion ist Vergebung! Die Zeit für Veränderung ist jetzt. Die Zeit für Humanity first. Das war Teil ihres Slogans. Ich finde, es ist nichts Falsches daran, das auf dem Weihnachtsmarkt zum Ausdruck zu bringen.“

Der deutsche YouTube-Kanal der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts veröffentlichte später auch eine Zusammenfassung der Demonstration, einschließlich der vollständigen Eröffnungsrede.

Mit seiner Botschaft hat Aba Al-Sadiq eines der größten Wunder dieser Epoche vollbracht. In einer Welt, die zwischen rechts und links, zwischen Christentum und Islam, zwischen Reich und Arm, Jung und Alt zerrissen ist, ist er zu einem lebendigen Beispiel für Menschlichkeit geworden. Menschen aus aller Welt schließen sich dieser Botschaft an, weil sie der Tyrannei entsagen wollen, der äußeren wie der inneren, weil sie erkannt haben, dass wahrer Frieden und wahre Gerechtigkeit keine Unterschiede kennen.