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Wenn Mut sich nicht zum Schweigen bringen lässt: Ein älterer Mann wird in Marokko wiederholt verhaftet, weil er friedlich seinen Glauben teilt

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Stellen Sie sich vor: Ein älterer Mann teilt in Marokko öffentlich und friedlich seinen Glauben – in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gemäß Artikel 18 der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geschützt sein sollte. Doch Fateh Benaiss, ein 57-jähriges Mitglied der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts, liegt nun in einer psychiatrischen Klinik, wo er nach seiner Festnahme durch die Polizei zwangsweise festgehalten wird, nur weil er friedlich seinen Glauben geteilt hat.

Von Jamal Al-Nahedhi

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Stellen Sie sich vor: Ein älterer Mann teilt in Marokko öffentlich und friedlich seinen Glauben – in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gemäß Artikel 18 der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geschützt sein sollte. Doch Fateh Benaiss, ein 57-jähriges Mitglied der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts, liegt nun in einer psychiatrischen Klinik, wo er nach seiner Festnahme durch die Polizei zwangsweise festgehalten wird, nur weil er friedlich seinen Glauben geteilt hat.

Fateh Benaiss teilt seinen Glauben auf den Straßen Marokkos
Fateh Benaiss teilt seinen Glauben auf den Straßen Marokkos

Diese Religion ist in vielen Ländern mit muslimischer Mehrheit angefeindet worden, in denen ihre Anhänger eine religiöse Minderheit bilden. Immer wieder haben sie Verfolgung, Haft, Festnahmen und sogar Gefängnisstrafen erlitten, weil sie ihren Glauben öffentlich äußerten. In Marokko rechtfertigen die Behörden eine solche Behandlung mit der Behauptung, das Teilen abweichender Überzeugungen „erschüttere den Glauben“ der Muslime oder versuche, sie zu einer anderen Religion zu bekehren. Was als Schutz der Religion dargestellt wird, wird oft zu einem Werkzeug, um religiöse Minderheiten ins Visier zu nehmen und das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit auszuhöhlen.

Fateh Benaiss ist Vater von drei Kindern und marokkanischer Staatsbürger, der in Kalaat Sraghna lebt. Vor zehn Jahren nahm er den Glauben der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts an, nachdem er zuvor den sunnitischen Islam praktiziert hatte. Diese Entscheidung veränderte sein Leben und gab ihm ein neues Gefühl von Sinn. Von diesem Moment an begann Fateh, seinen Glauben offen und öffentlich zu teilen.

In den sozialen Medien veröffentlichte er häufig Fotos von sich neben Bildern von Abdullah Hashem Aba Al-Sadiq, dem Oberhaupt der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts, und erhob stolz die Losung: „Die Treue gilt Gott.“ Sein Einsatz beschränkte sich nicht auf die Online-Welt. Fateh reiste durch ganz Marokko – in Städte wie Casablanca, Marrakesch, Khouribga und andere – fest entschlossen, seine Botschaft zu verbreiten. Wenn er durch die Straßen dieser Städte ging, sahen ihn Passanten oft Plakate aufhängen oder Flugblätter verteilen, die seinen Glauben erklärten.

Für ihn waren diese Handlungen Ausdruck des Glaubens. Für die Behörden galten sie als Störung, obwohl sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ratifiziert haben, in der das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit garantiert wird, einschließlich der Freiheit, die Religion zu wechseln und seinen Glauben öffentlich oder privat zu praktizieren. Doch trotz dieser Verpflichtungen sowohl nach islamischen Grundsätzen als auch nach internationalem Recht sind Menschen, die von traditionellen religiösen Auslegungen abweichen, weiterhin Schikanen und Strafverfolgung ausgesetzt.

Fatehs erste Festnahme erfolgte im Mai 2023, als er und zwei andere Gläubige in Casablanca öffentlich ein Banner mit der Aufschrift „Die Treue gilt Gott“ hochhielten. Diese Festnahme war erst der Anfang. Viele weitere Festnahmen folgten, darunter eine im April 2025. Bei dieser Gelegenheit wurden Fateh und ein Mitgläubiger festgenommen, nachdem sie in Marrakesch Flugblätter verteilt hatten. Sie wurden etwa 48 Stunden in Polizeigewahrsam gehalten, bevor sie in eine psychiatrische Einrichtung überstellt wurden – ein Muster, über das bereits bei früheren Festnahmen berichtet worden war.

Die Lage wurde zuletzt noch besorgniserregender. Ende März 2026 ging Fatehs Bruder zu einer Polizeiwache in Kalaat Sraghna, um zu fragen, ob Fateh dort festgehalten werde. Laut der Familie antwortete ein Polizist abschätzig: „Ach, du fragst nach diesem Verrückten, der in Marrakesch Videos macht? Er ist nicht hier – und frag nicht noch einmal nach ihm.“

Einige Zeit später erhielt die Familie die Nachricht, dass Fateh in eine psychiatrische Klinik in Kalaat Sraghna überstellt worden sei. Als seine Frau versuchte, ihn zu besuchen, wurde ihr der Zugang zu ihrem Mann verwehrt.

Fatehs Geschichte verdeutlicht eine harte Realität: Selbst wenn Gesetze die Meinungsfreiheit und das Recht garantieren, seine Religion privat wie öffentlich auszuüben, werden diese Rechte in der Praxis oft systematisch verletzt.

In der Vergangenheit gab es Fälle, in denen Gläubige der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts verfolgt wurden, weil sie ihren Glauben friedlich offen praktizierten. Sie wurden festgenommen und sogar inhaftiert. Doch kurz nachdem die Medien über diese Fälle berichtet hatten und die Sektion Khouribga der Marokkanischen Menschenrechtsvereinigung eine Erklärung veröffentlicht hatte, wonach die Prozesse gegen diese Gläubigen haltlos seien und eine Verletzung der Glaubensfreiheit darstellten, sahen sich die marokkanischen Behörden als Reaktion auf diese Erklärung gezwungen, die Gläubigen freizulassen.

Die Verfolgung der Anhänger der Ahmadi-Religion des Friedens und des Lichts hängt oft mit Überzeugungen zusammen, die in dem Buch „Das Ziel des Weisen“ dargelegt sind, das vom Oberhaupt des Glaubens, dem Qaim der Familie Muhammads, Abdullah Hashem Aba Al-Sadiq, verfasst wurde. Diese Lehren gelten als unorthodox und im Widerspruch zu den vorherrschenden religiösen Ansichten. Dazu gehören die Ankündigung des Erscheinens des Imam Mahdi und die Anerkennung von Aba Al-Sadiq als des von Gott eingesetzten Führers des Zeitalters – ein Anspruch, der in einigen Ländern die etablierte religiöse Autorität herausfordert.

In Marokko ist die Verfolgung eng mit der Losung „Die Treue gilt Gott“ verbunden, die den Glauben widerspiegelt, dass die Herrschaft allein Gott gehört. In Marokko jedoch, wo von den Bürgern erwartet wird, dem König Treue zu bekunden, behandeln die Behörden diese Losung als direkte Herausforderung der Monarchie.

Aus menschenrechtlicher Sicht verweist dies auf eindeutige Verletzungen der Religions- und Meinungsfreiheit. Trotz anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten und sozialer Instabilität unterdrückt die Monarchie weiterhin abweichende Stimmen, wobei Menschen Festnahme oder Strafe drohen, wenn sie den König oder staatliche Institutionen kritisieren. Dies spiegelt ein Muster wider, in dem Grundrechte verletzt werden, um die politische Kontrolle zu wahren und die Opposition zum Schweigen zu bringen.